geschreddertes Papier

Unterlagen aussortieren

Hilfe! Womit soll ich nur anfangen? Schon der Anblick der ganzen Berge von Papieren, Fotoalben, Büchern, Broschüren, Briefen und Aktenordnern, die ich nach dem Tod meines Vaters durchzusehen hatte, lähmte bei mir jeglichen Tatendrang. Da ich auf den ersten Blick sowieso nicht erkennen konnte, was wichtig und aufhebenswert war, entschied ich mich, einfach regalweise vorzugehen. Frei nach dem Motto »Hauptsache starten«.

Ich überflog jedes Papier (wenn man nichts Wichtiges übersehen will, kommt man darum leider nicht herum) und bildete dann Stapel mit den Unterlagen, die ich behalten wollte, und denen zum Wegwerfen.

Behalten

Hierzu gehören alle Unterlagen und Gegenstände, die für die Familiengeschichte eine Rolle spielen:

  • Urkunden aller Art (Geburts- und Sterbeurkunden, Heiratsurkunden etc.)
  • Familienbücher
  • Kirchliche Bescheinigungen wie Tauf-, Kommunion- oder Konfirmationsbestätigungen
  • Militärische Bescheinigungen wie Wehrpässe
  • Bescheinigungen/Zeugnisse über Schulen, Ausbildung und Arbeit
  • Fotoalben und lose Fotos
  • Briefe und Postkarten
  • private Adress- und Telefonverzeichnisse
  • Tagebücher
  • Reisejournale
  • (handgeschriebene) Kochrezept-Sammlungen

Entsorgen

  • Reiseprospekte
  • alte Zeitungen und Illustrierte (im Internetarchiven abrufbar, es sei denn, die Zeitungen sind so alt, dass sie schon wieder historischen Wert haben oder aber mit besonderen Ereignissen der Familiengeschichte verknüpft sind)
  • abgelaufene Versicherungspolicen. Die meisten Versicherungen enden nach dem Tod des Versicherungsnehmers. Es gibt aber auch Ausnahmen. Hierzu werde ich noch einen Extra-Post schreiben.
  • alte Rechnungen und Kassenbons
  • Gebrauchsanweisungen (können im Internet nachgeschaut werden)
  • Bankauszüge, die älter sind als drei Jahre. Um erbrachte oder erhaltene Zahlungen nachzuweisen, sollten Privatpersonen Kontoauszüge für mindestens drei Jahre aufheben. Wer selbstständig ist, muss Auszüge von Geschäftskonten zehn Jahre aufbewahren.
  • Arztberichte, Krankenkassenkorrespondenz, Röntgenbilder
  • Rentenbescheide

Man kann sicher nicht alles aufheben – für die Geschichte der eigenen Familie kann es aber nützlich sein, Informationen aus Unterlagen zu notieren oder fotografieren, bevor man sie wegwirft. Beispiel Krankengeschichte: Litten die Vorfahren unter chronischen Krankheiten, die sich vielleicht bei nachfolgenden Generationen wiederholen könnten?

Rechtliche Bestimmungen

Eine verbindliche rechtliche Vorgabe, wie lange die Unterlagen von Verstorbenen aufzuheben sind, gibt es nicht.

Erben müssen allerdings beachten, dass sie im Erbfall mit allen Rechten und Pflichten der Rechtsnachfolger des Erblassers werden. Hatte der Verstorbene zum Beispiel zu Lebzeiten ein Unternehmen, dann ist es im Interesse des Erben, Unterlagen, die für die Weiterführung des Unternehmens wichtig sind, nicht unmittelbar nach dem Erbfall zu entsorgen. Ansonsten können zum Beispiel Forderungen nicht eingetrieben werden.

Das gleiche gilt auch umgekehrt: wenn gegen den Erblasser Forderungen bestanden, die aus der Erbmasse gegebenenfalls beglichen werden müssen. Auch hier ist es ratsam, relevante Unterlagen solange aufzubewahren, bis die Forderung geklärt ist.

 

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