Neueste Beiträge

Unterlagen aussortieren

geschreddertes Papier

Hilfe! Womit soll ich nur anfangen? Schon der Anblick der ganzen Berge von Papieren, Fotoalben, Büchern, Broschüren, Briefen und Aktenordnern, die ich nach dem Tod meines Vaters durchzusehen hatte, lähmte bei mir jeglichen Tatendrang. Da ich auf den ersten Blick sowieso nicht erkennen konnte, was wichtig und aufhebenswert war, entschied ich mich, einfach regalweise vorzugehen. Frei nach dem Motto »Hauptsache starten«.

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Mütter hinterm Vorhang

The hidden Mother

Vor einigen Jahren machte ich bei der Biennale in Venedig eine Entdeckung, die mich bis heute fasziniert: die »Hidden Mother«-Fotografien des 19. Jahrhunderts. Merkwürdige Fotos von Babys waren im Arsenale zu Hunderten in langen Vitrinen arrangiert. Oft erst auf den zweiten Blick war zu erkennen, dass die Kleinkinder nicht allein abgebildet waren, sondern dass sich ein weiterer Protagonist auf den Fotografien befand – die »verborgene Mutter«. Manche der Frauen haben sich in geblümten Chintz gewickelt und geben vor, Lehnstühle zu sein. Andere verstecken sich hinter dem Sofa, so dass man nur ihre Hände sieht, die das Kind wie eine Puppe halten. Andere drehen sich einfach aus dem Bild oder verstecken sich unter einem weißen Laken, in der Hoffnung nicht wahrgenommen zu werden.Weiterlesen

Konfession: Gottgläubig

Heiratsurkunde von Hans Redecker

Auf der Heiratsurkunde meines Großonkels Hans Otto Redecker sticht ein Wort besonders ins Auge. Unter dem Punkt „Konfession“ wurde dort nicht „evangelisch“ oder „katholisch“ notiert, sondern „gottgläubig“. Was bedeutet das? Zuerst dachte ich an eine Freikirche oder Sekte. Bei der Recherche im Internet kam jedoch etwas anderes heraus: Die Bezeichnung „gottgläubig“ wurde durch Erlaß des Reichsministers des Innern vom 26. November 1936 anstelle der Ausdrücke „Dissident“ oder „konfessionslos“ offiziell in Deutschland eingeführt und zur Angabe der Religionszugehörigkeit vorgeschrieben. In öffentlichen Listen, Vordrucken und Urkunden hatten die Bürger die Wahl zwischen drei Kategorien:

  1. Angehörige einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft (also evangelisch-lutherisch, römisch-katholisch, etc.)
  2. Gottgläubige
  3. Gottlose.

Als „gottgläubig“ galt, wer sich von der Kirche als Institution abgewandt hatte aber dennoch an Gott glaubte.

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Katholischer Duellant
wird in Bielefeld
evangelisch beerdigt

Duell

Gelebte Ökumene im Kaiserreich – so könnte man den Zeitungsartikel im Berliner Tageblatt vom 7. April 1882 überschreiben. Ein katholischer Duellant, beerdigt von einem evangelischen Pfarrer auf einem evangelischen Friedhof in Bielefeld. Und an der Spitze des Trauerzugs marschiert ein jüdischer Gerichtspräsident. Familienforscher-Kollege Lutz Bachmann machte bei seinen Recherchen diesen ungewöhnlichen Zufallsfund, den ich hier im Original wiedergebe:

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Sortieren nach
der 5-Stapel-Methode

Post-its mit Aufschrift Behalten, Entsorgen, Verkaufen, Wegwerfen und Verschenken

Zeit der Entscheidungen – hat man einen Haushalt aufzulösen oder einen Nachlass zu ordnen, bricht sie unweigerlich an. Da niemand alles aufheben kann, was er von seinen Verwandten erbt, muss man überlegen, was man mit den vielen Gegenständen anstellt, die man nun besitzt. Gerade bei Dingen aus dem Elternhaus ist die Entscheidung über das Behalten oder Entsorgen ein emotionaler Akt. Manchmal hilft etwas zeitlicher Abstand, sich von vertrauten Dingen zu trennen. Doch muss es oft einfach schnell gehen, weil die Wohnung oder das Haus geleert werden müssen. Wie geht man das am besten an?
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